Nostromo Fluminio Emuano Yuan Amiracho Lupinez

Scharfer Schütze

Es ist ein heißer Sommertag, die Sonne steht hoch am Himmel und strahlt unerbittlich auf den trockenen Boden. Nur vereinzelte Bäume spenden Schatten, der aber keine entscheidende Abkühlung verspricht. Du bist in einem kleinen Dorf, alle Bewohner scheinen vor der Hitze in ihre Hütten geflüchtet zu sein. Ein Schweißtropfen rinnt dir von der Stirn die Wange hinab und verharrt an deinem Mundwinkel. Du nimmst ihn mit deiner Zunge auf und schmeckst die angenehm salzige Flüssigkeit. Durstig bist du, deine Füße führen dich zum Brunnen in der Mitte des Platzes. Du lässt den Eimer hinab und kurbelst ihn wieder hinauf, um mit einer Kelle von dem Wasser daraus zu trinken. Kühl und erfrischend fließt das belebende Nass deinen ausgetrockneten Hals hinunter. Plötzlich zerreißt ein Aufschrei einer Frau aus einem der Häuser die Stille. Und noch einer. Schnell eilst du zu dem Haus und spÃäst vorsichtig durchs Fenster. Ein weiterer langgezogener Schrei gefolgt von Babygeschrei klären die Situation auf. "Es ist ein Junge, Senor" Die Hebamme hält dem Vater das Kind hin, der es darauf stolz in seine Arme schließt. "Ein Junge! Unsere Gebete wurden erhört, Fiorella. Nostromo soll sein Name sein." Die erschöpfte Frau im Bett reckt ihre Arme in Richtung des Kindes, der Vater reicht ihn ihr. "Nostromo... mein Junge."
Du bist auf einer rauschenden Feier, das Dorf ist bunt geschmückt und ein großes Büffet auf dem Platz zeigt die verschiedensten Speisen, von denen du einige noch nie zuvor gesehen hast. Die interessantesten Gerüche kitzeln deine Nase und lassen dich die anderen Leuten gar nicht beachten. "Schaut, schaut!" Du erkennst den Vater von Nostromo, der nun einige Jahre Älter zu sein scheint und einen Jüngling in die Höhe hält. "Dies ist mein Junge Nostromo. Heute ist der sechste Jahrestag seiner Geburt. Wie es seit Jahrhunderten Brauch ist, soll er nun sein Lebensband bekommen." Der Vater legt ihm ein buntes Band um den linken Arm. Daraufhin streckt der Junge den Arm in die Höhe und alle Anwesenden beginnen laut zu jubeln. Exotische Musik setzt ein und alle Gäste beginnen zu tanzen. Jemand greift deinen Arm und obwohl du noch nie von diesem Tanz gehört hast, bewegen sich deine Füße wie von selbst zum Takt.
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Es ist Nacht, nur wenige Wolken ziehen mit dem kühlen Wind am Himmel umher, so dass der fast volle Mond die Landschaft in fahles Licht hüllt. Nostromo steht nicht weit von dir auf einer Lichtung. Er scheint angsterfüllt zu sein und erst jetzt erkennst du, warum. Ein riesiger Troll steht ihm gegenüber und schwingt seine Keule gegen ihn. Der Boden erbebt und eine große Staubwolke steigt auf, als die Keule nur knapp an Nostromo vorbeirauscht und auf dem Boden auftrifft. Ein Knall so laut wie ein Donnerschlag fährt dabei in die Nacht, in der Nähe schrecken Vögel auf und flüchten ins Dunkel hinein. Nostromos Arme zittern, als er mit seiner Armbrust auf den Troll zielt. Doch plötzlich scheint ihn eisige Ruhe zu durchziehen und seine Bewegungen werden ganz klar. Der Troll holt derweil wieder aus und setzt zu einem neuen Schlag an. Diesmal wird er Nostromo treffen, da bist du dir sicher. Nostromo murmelt etwas und drückt den Abzug. Der Bolzen wird von der Sehne beschleunigt und durchfährt die Luft mit einem Surren. Dir stockt der Atem. Es kommt dir vor, als sei der Bolzen eine Ewigkeit unterwegs, während sich die Keule des Trolls immer weiter Nostromos Kopf nähert. Da erreicht der Bolzen sein Ziel, schneidet sich erbarmungslos in das rechte Auge des Trolls. Ein lauter unmenschlicher Aufschrei unterbricht das angestrengte Schnaufen des Trolls, er lässt seine Keule fallen und greift zu seinem erblindeten Auge. Nostromo kann der Keule nur mit Mühe durch einen Sprung zur Seite ausweichen und zieht sich erst einmal etwas zurück, um seine Armbrust erneut zu spannen. Der Troll ist außer sich vor Wut und schlägt wild mit seinen Pranken durch die Luft. Dann erblickt er mit seinem verbleibenden Auge Nostromo, der noch immer am Nachladen ist. Du willst ihm helfen, doch du bist gelähmt vor Angst und deine Füße scheinen mit dem Boden verschmolzen. Der Troll nimmt Anlauf, verbindet seine beiden Hände zu einer gewaltigen Faust und lässt diese auf Nostromo niederfahren. Du siehst, wie dieser gerade einen Bolzen aufgelegt hat, seine Armbrust hochreißt und...
Plötzlich schnellst du hoch, ein leiser Schrei trennt sich von deinen Lippen. Schweißüberströmt liegst du in deinem Nachtlager, deine Begleiter schauen dich etwas verunsichert an. "Ist alles in Ordnung?" "Ja, es war nur ein Traum", antwortest du nach kurzer Zeit, wischst dir den Schweiß von der Stirn und legst dich langsam wieder hin. War es wirklich nur ein Traum? Es kam dir alles so real vor...