Cassia Giovanetti di Vongole

In nomine Lucullo

Gibt es für alles das rechte Maß?
"...Mögen die Götter Euch wohlgesonnen sein. Möge das Licht Sols auf Eurer Verbindung liegen. Möge Eure Liebe heiß und von Aya gesegnet sein und Vara Euch Kinder und Kindeskinder schenken! Großer Lukull schenke dieser Liebe Beständigkeit und segne diese Speisen des Lebens!"
Cassia senkte die Arme und übergab dem jungen Paar neben ihr das heilige Messer. Die junge Braut blickte sie mit Tränen in den Augen an, um dann gemeinsam mit ihrem Mann die Hochzeitstorte anzuschneiden. Die große Verwandtenschar begann zu jubeln und das junge Paar hoch leben zu lassen, bevor sich die gewöhnliche Schlacht um die besten Stücke anzubahnen begann.
Cassia trat zurück und strich sich das verschwitzte Haar aus der Stirn. Es war heiß in der Scheune so mitten im Sommer und sie war seit früh morgens auf den Beinen. Auf der Suche nach einem Becher Wasser traf sie der abschätzige Blick der Varapriesterin, einer hurmorlosen, verbissenen, älteren Frau. "Du hast auch nicht den ganzen Tag zu tun, alte Vettel!", dachte Cassia, froh darüber, dass ihre Ritualmaske ihren eigenen Gesichtsausdruck verdeckte. "Lukull gebe, dass ich nie so werde!"
Sie setzte sich mit einem Becher Wasser auf eine der Bänke vor der Scheune. Während sie die segnenden Worte sprach, betrachtete sie die sanften, fruchtbaren Hügel um sich herum, die sich in langen Ausläufern zum nahen Meer hinunterzogen, dorthin wo ihre wunderschöne Heimatstadt La Serena lag. Verwundert stellte sie fest, dass sie keinerlei Trauer darüber hegte, der großen Stadt an der Lagune in den nächsten Monaten den Rücken zu kehren. Irgendwie war ihr Leben festgefahren, Der Tempeldienst, der Dienst an den Menschen, die vielen kulinarischen Herausforderungen machten sie glücklich, aber war das wirklich alles gewesen? "Der Familienauftrag wird mir guttun", dachte sie.
Drinnen begannen nun die Barden zu spielen und erinnerten sie daran, dass sie in den Küchen gebraucht wurde um die lukullgefällige Zubereitung des Abendmahls zu überwachen und die Speisen zu segnen. Sie blickte nicht zurück.